Eine Welle der Solidarität: Der Sechstagekrieg von 1967
Im Zuge der Aufnahme diplomatischer Beziehungen entdeckten ab 1965 breite Kreise der bundesdeutschen Gesellschaft ihr Interesse an Israel und seinen Menschen. Immer häufiger reisten jetzt Deutsche in das unbekannte Land: als christliche Pilgerinnen und Pilger, politisch interessierte Beobachterinnen und Beobachter, Kibbuz-Volontärinnen und -Volontäre oder „nur“ als Touristinnen und Touristen. Die proisraelische Stimmung erreichte im Sechstagekrieg von 1967 einen Höhepunkt, als Israel arabische Vernichtungsdrohungen, militärische Aufmärsche und Seeblockaden am 5. Juni mit einem Präventivschlag beantwortete. Während Israels Existenz akut gefährdet schien, sympathisierten weite Teile der deutschen Gesellschaft mit dem jüdischen Staat. Es kam zu proisraelischen Demonstrationen und Spendensammlungen. Insbesondere die Zeitungen des Axel-Springer-Verlags stellten sich an die Seite Israels. Doch selbst Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein zeigte sich besorgt: „Die arabischen Gegner wollten ihm [Israel] nicht ein Stück Land oder eine Konzession fortnehmen. Sie hatten es auf seine Existenz abgesehen. […] Soll Israel weiter in der Angst vor einem Überfall leben müssen, weiter unter dem Zwang, ständig zum Präventivkrieg gerüstet zu sein? […] Israel, der David unter den Völkern, soll leben!“
