Die Rolle der Medien

Wirtschaftliche Aufbauleistungen, multikulturelle Herausforderungen sowie künstlerische und andere zivile Potenziale Israels hatten in der vierten Dekade in der Berichterstattung deutscher Medien Seltenheitswert. So blieben sportliche Ereignisse, die enormen Integrationsleistungen bei der Aufnahme großer Einwanderungswellen und selbst die israelische Hightech-Szene weitgehend unbeachtet.


Das mediale Interesse richtete sich zwischen 2000 und 2004 auf terroristische Selbstmordanschläge in israelischen Bussen und Restaurants, die angeblich palästinensischer Verzweiflung geschuldet waren. Als „Täter“ wurden vor allem „die Israelis“ bezichtigt, deren Versuche, den Terror militärisch zu bekämpfen, mitunter auch Unschuldige trafen. Im Fokus der Berichterstattung standen aber nicht nur militärische Einsätze Israels, sondern auch israelische Siedlungsaktivitäten im Westjordanland. Sie waren als Nachrichten „zugkräftiger“ als differenzierte Lageberichte – sie generierten Schlagzeilen und sorgten für hohe Einschaltquoten. So entbrannte in Teilen der Öffentlichkeit eine heftige Diskussion, inwieweit einseitige und überzogene Formen der Israelkritik antisemitische Tendenzen widerspiegelten, verstärkten oder gar auslösten: Manche Journalistinnen und Journalisten vermischten den politischen Konflikt im Nahen Osten, bewusst oder unbewusst, mit antijüdischen Klischees. Sie trugen dazu bei, dass jahrzehntelange Bemühungen der Aufarbeitung judenfeindlicher Stereotype zunichte gemacht wurden. In der Bevölkerung schlummernde antisemitische Ressentiments drohten wieder einmal reaktiviert und auf „die Israelis“ projiziert zu werden.